Ciao Kathakali! Ciao!
Ciao Kathakali! Ciao!
Ciao Kathakali! Ciao!
Mit ein wenig Angst in eine Touri-Falle zu tappen, wagen wir uns am Abend in das Kerala Kathakali Center, um uns eine Kurzfassung dieses rituellen Tanztheater anzusehen. Das Hauptziel dieser Darstellung besteht darin, das Weltliche pantomimisch in das Reich der Götter und Dämonen zu übertragen. Voraussetzung dafür ist eine streng ritualisierte Vorbereitung unter Einsatz fantasievoller Kostüme und eines maskenähnlichen Make-Ups.
Schon bevor wir in Cochin eintrafen, begegnete mir in Kerala immer wieder auf Plakaten das Bild von einem Kathakali-Darsteller in prachtvollem Kostüm mit riesiger Goldkrone und eigentümlicher grünweißer Gesichtsmaskierung.
Montag, 19. November 2007
Ciao Kathakali! Ciao!
Um die Tänzer schon beim Schminken beobachten zu können, werden die Zuschauer rund 1 1/2 Stunden vor Beginn eingelassen.
Kunstvoll tragen die Darsteller, alles Männer, denn sowohl die männlichen als auch die weiblichen Rollen werden ausschließlich von Männern gespielt, entsprechend ihrer Rollen die jeweiligen Farben auf:
Grün: göttlich / edel;
weiß: Licht / Intellekt;
rot: leidenschaftlich / aggressiv
schwarz: Dunkelheit / schlecht
Die meiste Zeit über war der Raum direkt vor der Bühne mit Digital- und Videokamerabesitzern belagert, so dass der eigentliche Schminkakt schwer zu verfolgen war. Der junge Mann neben mir sprach lautstark ins Mikro seiner Filmkamera, um das Gefilmte gleichzeitig mit witzigen Kommentaren zu untermalen. Jede Filmsequenzen beendete er mit einem inbrünstig geschmettertem „Ciao“.
Nach Fertigstellung der Maske wurden den Tänzern aufwändig gestaltete Röcke um die Hüften gebunden. Viel Flitter aus Gold- und Silberpapier sowie lange Krallen an den Händen kamen hinzu. Den Abschluss bildeten das Anlegen einer bis zur Hüfte reichenden Perücke und das Aufsetzen einer Krone.
Auch während der eigentlichen Vorstellung war ein Großteil des Publikums mehr mit der Verbannung des Geschehens auf ihre Speicherchips als mit aktivem Zusehen beschäftigt.
Damit entging ihnen ein unendliches Repertoire an komplizierten Handbewegungen und mimischen und gestischen Variationen, die oft groteske Züge annahm. In einer kurzen Einführung wurden exemplarisch die unzähligen Ausdrucksmöglichkeiten von Gefühlen, Aussagen und Interaktionen erklärt.
Trommler begleiteten das Schauspiel und behielten die Darsteller stets im Auge, um jede einzelne Geste mit ihren Instrumenten verstärken zu können.
Die Darsteller selbst sprachen nicht, gaben nur gelegentlich auf westliche Ohren absurd komisch wirkende „Ojoijoi“-Schreie von sich. Wir konnten uns durch die ausgeteilten Flyer auf denen eine Kurzzusammenfassung gedruckt war, zumindest grob in die Geschichte des dargebotenen Kampfes zwischen Gut und Böse einlesen. Die Tänzer sind jedoch so ausdrucksstark und ihre Mimik und Gesten so präzise, dass sich der Plot auch so hinreichend erschließen ließ.
Beim Rhythmus der lauten und immer schneller gespielten Trommeln und Becken, kann man sich gut vorstellen, dass diese Vorstellungen, die eigentlich ganze Nächte andauern, einen in Trance ähnliche Zustände versetzen kann.