Das indische Hannover
Das indische Hannover
Das indische Hannover: Coimbatore, die Stadt zum Durchfahren
Bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet, verlief unsere 3 1/ 2 stündige Busfahrt von Thrissur nach Coimbatore. Der Busfahrer, ein kleiner, dürrer Mann, mit stoppelkurzem, grauen Haaren und einer dicken Hornbrille, war mir sympathisch.
Unterwegs begegnete uns ein LKW auf dessen Ladefläche ein ausgewachsener Elefant transportiert wurde. Mit eng anliegenden Ohren rauschte dieses Schwergewicht scheinbar ungerührt auf der Landstraße dahin.
Coimbatore kündite sich durch erste Slumhütten an. Statt der beschaulichen kleinen Textilstadt, die wir erwartet hatten, präsentierte sich uns ein Großstadtmoloch. Links und rechts konnten wir aus den Busfenstern in tiefe Straßenschluchten blicken.
Menschenmassen, Schmutz, Müll, Verkehrslärm, ein unüberschaubares Wirrwarr an verwinkelten Ecken, mehrspurigen Straßen und riesigen Kreuzungen.
Beim Ausstieg am Town Busbahnhof war uns beiden klar, dass unser Plan, hier eine Nacht bis zur Weiterfahrt zu verbringen, nur realisiert würde, wenn es gar nicht anders ginge.
Dienstag, 27. November 2007
Das indische Hannover
Und so saßen wir nach einem kurzen Zwischenstopp in Coimbatore wieder in einem Bus - diesmal auf dem Weg nach Ooty. Vorbei an terrassenförmig angelegten Teeplantagen, in denen bunt gekleidete Teepflückerinnen arbeiteten, blickte ich in tiefe Täler. Die Temperaturen sanken von 32 Grad in Coimbatore auf knappe 14 Grad in Ooty. Unsere Mitreisenden waren eindeutig besser präpariert als wir und zogen ihre Pullover und Jacken an oder banden sich dicke Wolltücher um die Schultern.
Am Bahnhof bildete sich in Sekundenschnelle eine Menschentraube vor der Bustür, warfen die Wartenden bereits ihre Taschen und Jacken durch die Fenster, um sich auf diese Weise Sitzplätze zu reservieren.
Brüllend versuchte der Schaffner den drohenden Ansturm zu verhindern. Eine enge Gasse durch die selbst dünne Menschen nicht ohne Körperkontakte hindurch zukommen vermochten, mehr ließen die potentiellen Passagiere einem aber nicht. Am Bahnhof dann der erste Schlepper-Versuch eines Rikschafahrers, der uns von einem garantiert besseren als das von uns angestrebten Hotel überzeugen wollte und uns sogar anbot, vor dem Co-Operators Guesthouse zu warten, bis wir denn das Zimmer besichtigt hätten. Wir verzichteten jedoch auf die versprochene Klimaanlage im Hotel seines Onkels und begnügten uns mit einer Toilette im indischen Stil, Warmwasser in Eimern und kratzenden Wolldecken.