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Indien & Himalaya Königreiche

Brahma – Der Gott mit den vier Gesichtern & Puschkar

Der Gott Brahma wird als reifer, wohlgenährter und bärtiger Mann dargestellt, der vier Gesichter und vier Arme hat. Er trägt Schmuck, einen Blütenkranz und die Brahmanenschnur. Alle Gesichter von Brahma tragen das waagerechte Stirnzeichen Shivas.

Die Arme von Brahma halten die Palmblattmanuskripte von den vier Sammlungen der Veden, einen Rosenkranz, eine Lotusblüte und ein Wassergefäß. Sein Begleittier ist eine weiße Gans, die auch gleichzeitig sein Reittier ist. Sie steht für die Reinheit und die Kraft der Unterscheidung. Seine Gemahlin ist die Göttin Saraswati.

Es gibt nur eine einzige Kultstätte Brahmas und die befindet sich in Puschkar (Rajasthan) und hier gibt es nur einmal im Jahr ein großes Fest.

Puschkar – der Wohnsitz Brahmas

Der heiligen Erzählung (Padma Purana) hat Brahma eines Tages festgestellt, dass er keinen irdischen Wohnsitz hat im Gegensatz zu den anderen Göttern. Er war sehr betroffen darüber und Shiva machte ihm folgenden Vorschlag: Er sollte Blätter seiner Lotusblüte auf die Erde fallen lassen und dort wo die Blätter der Blüte auf die Erde träfen, sollte er seinen Wohnsitz wählen. So geschah es und Brahma ritt auf seiner Gans Hans (kein Scherz, das ist der Name seines Reittieres) durch die Lüfte und ließ drei Blätter auf die Erde herabgleiten.

Es entstanden an dem Ort, wo die Blätter auf die Erde trafen, drei unterirdische Quellen, die Seen speisten und das inmitten einer großen Sandwüste. Darauf hin stieg Brahma auf die Erde hinab und versank an dem Ort in die Meditation, welches zehntausend Brahmajahre dauerte. Die Götter verlangten, dass er eine "Yagna" ein heiliges Ritual durchführen müsse, um zu seinem Himmlischen Wohnsitz zurückkehren zu können. Als Zeitpunkt für dieses heilige Ritual wurden die letzten fünf Tage im Monat vor dem Vollmond benannt im Monat Kartik. Er erklärte sich damit einverstanden und beauftragte den Himmlischen Baumeister „Vishvakarma“, damit, die Errichtung des „Yagna Mandap“ (Opferstätte) vorzunehmen. Alle dreihundertdreißig Millionen Götter und Heilige strömten nach Puschkar, als die Opferstätte fertig war. Doch bei einer Yagna ist es notwendig, das die Gattin anwesend ist und so entsandte man Narada um Savitri (Saraswati) zu holen. Sie war einverstanden, doch Narad ordnete an, dass sie im Laufe einer großen Zeremonie erscheinen sollte mit allen anderen Götterfrauen, wie beispielsweise Lakshmi, Ganga, Durga.

Narada überbrachte aber eine falsche Nachricht bei seiner Rückkehr und meinte Savitri sei zu beschäftigt, um zu Yagna zu erscheinen. Brahma war sehr aufgebracht und auch in Sorge, dass sein glücksverheißender Moment verstreicht. So war es Götterkönig Indra, der befahl, dass man Brahma eine Frau bringe, egal woher.
In der Eile fand er ein Hirtenmädchen in den Bergen um Puschkar. Doch damit das Mädchen Gopakanya dem Brahmanenstand würdig wurde, wurde sie von Vishnu einem Reinigungsritual unterzogen. So ließ er sie durch den Leib einer Kuh hindurchgehen, denn die Kuh ist seit Urzeiten ein heiliges Tier in der Brahmanenklasse. Somit wurde Gayatri (Mädchen aus der Kuh) zur Mutter der Brahmanengeschlechter. Als sie Brahma übergeben wurde, sprach er: „oh Götter und Heilige, wenn es euer Wille ist, dann werde ich das Mädchen Gayatri zur Gemahlin nehmen. Sie soll die Mutter der Veden werden sowie die Quelle aller Reinheit auf Erden sein.“ Dann nahm Gayatri den Platz der Ehefrau bei dem Ritual ein.

Als die Zeremonie gerade begann, erschien Savitri mit ihrem Gefolge und ein Schatten fiel über Brahma und die gesamte Versammlung. Brahma senkte den Kopf in tiefer Beschämung, doch Savitri verfluchte im Zorn Brahma mit den Worten: „nie aber auch nie soll Brahma verehrt werden in einem Tempel oder einem heiligen Ort, nur eine Ausnahme wird es im Jahr geben…“ Des Weiteren verfluchte sie auch Indra, Shiva und Vishnu, da sie es waren, die Brahma zu der Hochzeit angestiftet hatten. Die Drei versuchten sie zu besänftigen, doch Savitri war traurig und bekümmert und machte sich auf den Weg zum Ratnagiri Huegel, der nah gelegen war, und zog sich dort ins Gebet und in die Meditation zurück.

Heute steht dort, über dem heiligen See über den Dünen ein heiliger Tempel, der ihr gewidmet ist.

Doch schließlich kam es zwischen ihr und Gayatri zur Versöhnung und sie beiden hielten den Status als Brahmas Ehefrau. Dabei gilt Savitri als die himmlische und Gayatri als die irdische Gefährtin. Auf einem anderen Hügel in Puschkar steht ein ihr geweihter Tempel.

Obwohl die Versöhnung da war, der Fluch über Brahma blieb bestehen und somit ist der Brahma Tempel in Puschkar der einzige Tempel in Indien, in dem der Gott mit den vier Gesichtern verehrt wird.

Die Gläubigen die nach Puschkar kommen am Kartik Purnima (Vollmond), sind, wie Brahma auf der Suche nach der Erlösung von ihren Sünden in den Gewässern die von Brahma geweiht wurden.

Eine andere Legende besagt …

Dass die Sterblichen den einfachen Weg über Puschkar vorzogen, als die anstrengenden Gebete und Meditationen, um die Erlösung zu finden. Doch schließlich wurde der Götterhimmel zu voll und die anderen Götter ersuchten Brahma, dass er etwas ändern möge.
Doch Brahma wollte und konnte seinen Segen nicht völlig zurücknehmen und erklärte, dass nur diejenigen Erlösung fänden, die an den letzten 5 Tagen vor Kartik Purinma im heiligen See baden erlöst würden. Den Rest des Jahres ist die göttliche Kraft in den Äther zurückgezogen.
Das ist der Grund, warum die gläubigen in Scharen nach Puschkar strömen, um sich von ihren Sünden reinzuwaschen.

Puschkar, der Ort in Rajasthan/Indien, in den Bergen gelegen. Dort befindet sich der heiligste See ganz Indiens und seit ewigen Zeiten versammeln sich dort jedes Jahr Tausende von frommen Gläubigen im Hindu-Monat Kartik (die für 2012 sind 20. - 28. November und im Jahr 2013 vom 09. - 17. November). Der sonst ruhige See wird dann auch von den frommen Männern aus den Himalajabergen besucht und Fromme beten zum Klang von Versen, die aus den heiligen Schriften gelesen werden, welche rezitiert werden, damit die Sünder von ihren Sünden reingewaschen werden.

Leider gibt es auch ein Wehmutstropfen, denn Puschkar hat sich aufgrund seiner Ruhe, die sehr wohltuend ist und der beschaulichen Umgebung zum beliebten Touristenziel der westlichen Touristen entwickelt.

400 Tempel, 52 Ghats …

Die Stadt ist die Pilgerstätte aller Pilgerstätten in Indien. Dort gibt es über 400 Tempel und 52 Ghats (Zugänge) zum Lotossee. Die wichtigsten Zugänge sind das Brahma Grat, Gau Ghat und Varah Ghat, die den Pilgern auch als Badeort dienen.

Wer sich in Puschkar aufhält, der wird nicht in der Morgendämmerung mit Vogelgezwitscher geweckt, sondern durch Trommeln und Glocken des Brahmatempels. An diesem Ritual, welches das wichtigste des ganzen Tages ist, kann man aber nur teilnehmen, wenn man zuvor ein Bad im See genommen hat.

Wenn man in den Brahma Tempel eintritt durch die äußere Pforte, gelangt man in den Innenhof. Das Symbol des Brahma, die Gans, sieht man über dem Eingang. Im Inneren des Tempelbezirks befinden sich mehrere kleine Tempel und auf dem Boden ruht die Schildkröte Kuma. Brahma nahm die Form einer Schildkröte an und erschuf dann die Welt. Die Augen der viergesichtigen Statue im Tempel leuchten golden.
Die Pfauen, die im und rund um den Tempel leben und das Wappentier Rajasthans sind, zeigen gern tagsüber auf den Tempeltürmen ihre bunt schillernden Räder.